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hardangervidda

| m.

manchmal tut es gut, einen trip nicht zu planen, sondern „planen zu lassen“. und so kam es, dass ich mich im sommer 2012 plötzlich auf einem wilden skagerrak wiederfand, auf dem wasserweg gen norwegen, nicht wissend, was mich in diesem land erwarten würde. die fähre polterte laut krachend durch die nacht, ganz so, als wollte sie sich in den wellenbergen selbst versenken, um all den sinnlosen überfahrten für immer ein ende zu bereiten! die besatzung musste vom kaffee ausschenken zum gegenstände sichern und kotztüten austeilen übergehen, und auch mein magen fing so langsam an, sich gedanken über seinen inhalt zu machen. „wie verrückt geht denn dieser trip hier los?!“, dachte ich bei mir, und wurde auch im weiteren verlauf dieser reise nicht enttäuscht! keinesfalls! norwegen ist der wahnsinn!

vor der kocheraufnahme des monats waren wir schon ein paar tage in norwegen unterwegs, folgten erst der küstenlinie in richtung nord-westen, machten einen abstecher auf die „wikinger-insel“ karmøy, um uns dann an ein paar fjorden entlang ins landesinnere zu hangeln. eines abends ging es hoch in die berge, immer weiter und weiter hinauf, während das thermometer nach und nach die entgegengesetzte richtung einschlug. wir folgten der rv 7 auf die hardangervidda, europas grösster hochebene! ihre fläche beträgt an die 8000 quadratkilometer, gelegen zwischen 1200 und 1400 höhenmetern. dort oben treibt sich die grösste, noch wilde rentierherde norwegens herum – an die 15000 tiere! natürlich hofften wir, diese zu sehen, doch bevor wir weiter über diese herde nachdenken konnten, versetzte uns die plötzliche in erscheinung tretende, völlig abgefahrene landschaft in einen zustand, dem keine worte gerecht werden können…

da diese reise zur sommersonnenwende stattfand, wurde es des nachts nicht wirklich dunkel, so dass die gesamte szenerie in einem mystischen licht erstrahlte! die beinahe arktisch wirkende tundra, durchzogen von zahlreichen seen und schneefeldern, raubte uns schlichtweg den atmen! kein auto vor uns, kein auto hinter uns. nur wir beide, mitten im nirgendwo. verdammt, es war der pure wahnsinn, und ich weiss gar nicht mehr, wie lange wir letztendlich noch der rv 7 mit offen stehenden mündern folgten, immer wieder ausstiegen, staunten, photographierten und weiterfuhren. doch irgendwann wurden wir müde und parkten die karre einfach auf einem parkplatz am rande der strasse, um von dem einen traum um uns herum in die träume der nacht abzutauchen…

am nächsten morgen wurde ich früh wach. doch was war das?! irgendjemand hatte sein wohnmobil direkt vor uns gestellt. der parkplatz war ansonsten leer, wieso also musste dieses fahrzeug genau neben uns parken? nun, die antwort war ganz einfach: eine alte frau, auf ihrem stammplatz stehend, verkaufte ihren selbstgemachten käse an all die touristen, die sich über die rv 7 auf die hochebene verirrt hatten.

auch wir schlugen zu und starteten den tag mit einem frühstück, welches ich niemals im leben vergessen werde! ein frühstück, geprägt durch die einzigartige landschaft um uns herum und dem süsslichen, für unsere gaumen völlig neuen geschmack des „geitost“ – eine art brauner ziegenkäse, von dem wir noch einige stücke auf dem blauen plastikteller sehen. dazu gab’s ein warmes getränk aus dem kocher und voilá, das kocherphoto des monats wanderte in den chip der kamera! ahhhh, was für ein wunderbarer start in einen neuen tag… was für ein wunderbarer start in ein neues stück leben!


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