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götzis

| m.

falls ihr neulich irgendwo auf den autobahnen deutschlands einen trangia hinter dem steuer eines seat ibizas gesehen haben solltet, samt einer flasche brennspiritus auf dem beifahrersitz, dann nehmt diese irre sichtung gelassen, denn das war nur unser guter, alter kocher, unterwegs in einer mietkarre gen götzis, österreich. und während sich die topfgestalt zwei wochen lang bei bestem wetter mit seiner spiritus-partnerin in der bodensee-region vergnügte, stampfte anker rampen ganz in der nähe eine weiteren skatepark aus dem boden!

auch meine wenigkeit hatte das glück, teil der götzis-bau-crew zu sein, welche sich bei gefühlten 45 grad über dem neuen, schwarzen asphalt die hirne aufs derbste zerkochen liess und nebenbei hier und da noch etwas frischen beton in form bringen musste! tja, da hatte es der trangia nebenan, im schatten eines baumes, etwas besser getroffen! also wieso schreibe ich da von glück?! nun, auch wir hatten eine verdammt gute zeit dort unten am „lake constance“ – während und erst recht nach der arbeit! noch immer sehe ich die worte „sieh es wie urlaub!“ auf dem display meines phones aufleuchten, als ich im vorfeld der baustelle infos über unsere unterkunft eingeholt hatte. „urlaub? hää?!“ und scheisse, als ich dann einen tag vor arbeitsbeginn auf dem balkon unserer unterkunft stand, fühlte sich das ganze tatsächlich an wie urlaub – irgendwo im nirgendwo, hoch oben auf einem berg, weit über dem bodensee!

es handelte sich um eine 1a-ferienwohnung mit einem riesigen balkon, blick richtung sonnenuntergang, der seinen leuchtenden arm abend für abend über das wasser hinweg in unsere richtung ausstreckte und das gehen des tages zu einer ganz besonderen feier machte, immer und immer wieder. doch auch das programm abseits des balkones war nicht schlecht! so ging es desöfteren ab nach hard, wo es schon seit einigen jahren einen skatepark direkt neben dem see gibt. beton und wasser. schweiss und abkühlung. was für eine geniale kombination! die neue betonlandschaft der konkurrenz in feldkirch, gerade mal ein jahr alt, entpuppte sich ebenfalls als spass-zone! auch dort zog es uns das ein oder andere mal hin. und wenn wegen der grossen sommerhitze das körperwasser komplett überkochte, wir eine ganz besondere abkühlung brauchten, dann machten wir uns auf den weg in die rappenlochschlucht, wo ein kalter, klarer fluss den berg hinabstürzte…

highlight des aufenthaltes war definitiv eine drei-mann-bergbesteigung mit unserem guten, alten freund alex k., dem ehemaligen mastermind hinter yama skateboards und motor der skateboardszene in und um bregenz. er holte uns einen frühen sonntagmorgen in unserer hütte ab und es ging mit einem rucksack voller brote an den fuss des widdersteins, 2533 meter über dem meeresspiegel. der weg bis zur vorgelagerten hütte war ein klacks, doch als wir in den fels einstiegen, wurde mir schon ein wenig mulmig zumute! da sollte ich hoch?! ohne alpine erfahrung?!! ich meine… ich amateur hatte nicht mal gutes schuhwerk an den füssen, sondern ging diese besteigung in meinen bau-schuhen an, stahlkappen inklusive. au weia! und verdammt, irgendwo im fels kam dann tatsächlich der punkt, an dem ich längere zeit über eine umkehr nachdachte! doch all die rentner und kinder, die uns von oben entgegen kamen, machten mir neuen mut. „wenn die sich so locker durch den fels bewegen, dann schaffe ich das auch, oder?! nur sind diese rentner wahrscheinlich in den bergen gross geworden, und die kinder sind gerade dabei, hu?! hmm, wieso tragen die eigentlich helme?!! ahhhh!!!!“ wie auch immer, ich gab mir einen ruck und es ging weiter hinauf. immer weiter und weiter und weiter. hier und da durfte man sich keinen fehltritt erlauben. dann wäre es das wahrscheinlich gewesen, diese sache mit dem leben. „nicht drüber nachdenken. konzentration, konzentration! und dem berg respektvoll begegnen…“

irgendwann kam es dann, das gipfelkreuz! die aussicht auf das umliegende alpen-panorama war grandios! furchtlose alpendohlen frassen uns aus der hand, gleiteten mühelos von einem fels zum nächsten. wieso klettern, wenn man fliegen kann?! ich beobachtete sie im sonnenlicht, lauschte dem rauschen des windes und alles war ganz friedlich. ganz klar. ganz weit und wunderbar… gut, dass ich mir unten im fels diesen ruck gegeben hatte! aber scheisse, was war das? kam da tatsächlich jemand mit einem dackel auf den gipfel?! „das gibt’s doch gar nicht! ich hab mir fast in die hosen geschissen und jetzt grinst mich hier dieser fette köter an?! au mann!“

der abstieg war erstaunlicherweise nicht so haarig wie der aufstieg. es kam mir alles eher wie eine verdammt grosse treppe vor. alex musste noch einen draufsetzen und nahm rutschenderweise eine abkürzung über ein schneefeld! das hätte sein vater früher auch immer gemacht. aha! na dann ist ja alles in ordnung! mach mal! ich meine… heilige scheisse! was war das nur für ein irrer ritt?!! nein, was war das alles nur für ein irres leben, dort oben, in den bergen und dort unten am bodensee?!!

hey, anker-jungs! hey, andre, alex und flo! danke für alles! danke für diese wahnsinnigen zeiten in diesen wahnsinngen welten, markus…


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