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do it on paper!

| m.

„do it on paper!“ – noch immer schallen diese worte, einst von ian dykmans in meine ohren geschmettert, durch meinen schädel! warum sie den seinen verliessen und was das alles mit dieser site hier, dem leben und dem ganzen rest zu tun hat, erfahrt ihr im folgenden gedanken-salat!

wir schreiben das jahr 2007 und befinden uns auf einer skatepark-baustelle in namur. ein kumpel und ich waren kurzerhand rüber nach belgien getrampt, um den brusk jungs beim bau ihres ersten, grossen skateparks zu helfen, denn auch sie hatten uns ein jahr zuvor bei den arbeiten am hagener pool unter die arme gegriffen! diese gegenseitige unterstützung geschah einfach so, ganz spontan, um den umgang mit der kelle zu lernen, um ein paar weitere geheimnisse des betonbaus zu lüften und natürlich, um eine erneute, gute zeit mit den brusk jungs zu verbringen…

ian dykmans war einer von ihnen. wenn er gerade mal keine kelle in der hand hatte, klemmte er sich hinter seine analoge kamera und schoss photos. er plante ein fanzine herauszubringen, welches den bau des skateparks zum thema haben sollte. natürlich kamen wir ins gespräch über zines, die damalige und die heutige zeit, dem internet, und und und!

achtung, wir verlassen für einen kurzen moment namur und reisen ein paar jahre zurück! tief einatmen! und weiter geht’s!

seit meinem ausscheiden beim boardstein schleppte auch ich den gedanken an ein weiteres zine in mir herum, doch anstatt es einfach so zu machen wie in den neunzigern, einfach loszulegen, zu schreiben, zu photographieren, zu layouten und zu photokopieren, auf echtem papier statt auf dem bildschirm, tat ich ende 2004 genau das gegenteil und startete eine kleine internetseite, das mhuellerland. pixel statt toner. html und css statt klebestift und schere. wieso?! nach einer beruflichen weiterbildung in sachen webdesign bot es sich einfach an! publizieren, ohne den ganzen aufwand, den ein photokopiertes magazin bedeutet; publizieren, mit einer viel grösseren reichweite… und vor allen dingen: ohne die kosten, die ein fanzine mit sich bringt! doch nach und nach machte sich eine unbestimmte art von unzufriedenheit in mir breit: ich  hatte die menüstruktur völlig falsch aufgezogen und auch das einpflegen von artikeln ohne ein content-management-system im hintergrund drückte die freude am kreativen output. kurz: es war nichts halbes und nichts ganzes, und nach und nach bildete sich ein immer grösser werdendes fragezeichen über meinem kopf:

ist digitales publizeren der richtige weg? lesen die menschen überhaupt gerne am bildschirm? sollte ich die seite komplett überarbeiten? oder lieber doch wieder aufs papier umsteigen?!

bevor ich all diese fragezeichen so richtig auseinander nehmen konnte, kam gerd rieger mit der idee eines pdf-magazins daher, dem bailgun. zugegeben, ich brauchte eine weile, um mich dem ganzen zu öffnen und zuzusagen, doch dann ging es mit frischer energie in ein neues abenteuer, und das mhuellerland wurde eingestampft. ganze sieben ausgaben lang kümmerte ich mich beim bailgun ums layout, um die website, schrieb kleinere texte, doch auch hier schwebten sie weiter über mir, diese ständigen fragezeichen des digitalen publizierens. und verdammt, irgendwo in mir fühlte es sich einfach nicht richtig an, so ein für das netz aufbereitetes, abgespecktes magazin. also trat ich kurzerhand den rechner vom schreibtisch und wandte mich dem beton zu, zog ein paar jahre unter der flagge von minus ramps durchs land und gestaltete nun auf ganz andere art und weise. bis ins jahr 2011, wo eine menge gründe zusammenkamen, die dazu führten, dass ich das minus schiff wieder verliess. tja, und ob ihr es glaubt oder nicht, auf einmal sass ich wieder an einem schreibtisch! und scheisse, auf dem schreibtisch stand ein rechner!

da ich zu der zeit in berlin lebte, sicherte ich mir kurzerhand die domain skateboardingberlin.de. doch als die seite endlich stand und so langsam in schwung kam, gab es ein recht lautes niesen, und die bundeshauptstadt feuerte mich geradewegs zurück nach hagen…

tja, und nun sitze ich hier, schreibe diese zeilen und muss unbedingt den bogen zurück zur baustelle in namur und zu ian dykmans finden! er war es, der mir damals ans herz legte, erneut ein echtes fanzine herauszubringen! „do it on paper! do it on paper!“, sagte er immer wieder! und ja, er hatte recht! ich werde es wieder tun, und zwar auf papier!

aber heilige scheisse, was passiert denn dann hier gerade?! es sind schon wieder pixel! habe ich nun komplett den verstand verloren?!! neeee, denn von nun an wird zweigleisig gefahren! pixel und papier! html, css, klebestift und cutter… ich meine… die ganze scheisse! ab in einen topf, schön umrühren und gucken, was dabei rauskommt! das neue mhueller wird ende des sommers das licht der welt erblicken, und hier, auf dieser seite, wird es bis dahin (und darüber hinaus) wahnsinn ganz anderer art geben. im moment läuft alles nach fahrplan, aber man weiss ja nie, in was für ecken einen das leben plötzlich schleudert…

apropos leben! was ist eigentlich aus ians zine geworden?! nun, er brachte nach vollendung des skateparks dieses verrückte falt- und klapp-zine heraus: analoge photographien; dazu mit schreibmaschine geschriebene texte der menschen, die an der entstehung des skateparks in namur beteiligt waren. eine d.i.y. publikation voller liebe zum skateboarding, voller seele. es trägt den titel „this is our full circle“. es liegt gerade neben der tastatur, und verdammt, wenn ich auf das cover blicke, dann auf diese worte hier starre und meine augen rüber zu schreibmaschine wandern lasse, bekomme ich dieses grinsen nicht mehr aus dem gesicht: auch für mich hat sich ein kreis geschlossen!

und dafür danke ich ian. dafür danke ich dem boardstein, dem bailgun, dem beton und all den verdammten pixeln…

weiterführende links:
→ ians zine „this is our full circle“
→ bailgun magazine
→ skateboardingberlin.de


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