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mister mistral

| m.

falls du dich fragst, was genau diese überschrift zu bedeuten hat, wer dieser typ dort unten ist und was das alles mit skateboarding zu tun hat, dann musst du dir schon ein paar zeilen mehr in dein hirn reinpfeifen! eines lass dir vorweg gesagt sein: dieser alte mann (r.i.p.) hat auch dein leben berührt!

um ehrlich zu sein, handelt es sich hier um einen „verunglückten artikel“! ach, was schreibe ich? es handelt sich um eine komplett „verünglückte rubrik“! sie sollte den schlichten namen „banco sichtungen“ tragen. und? klingelt’s?! genau! banco, das ist der name der guten, alten „thrasher-schrift“! hin und wieder begegnet sie uns allen dort draussen, in den kuriosesten zusammenhängen – für einen skater, der diesen zeichensatz mit dem ältesten, noch bestehenden rollbrett magazin der welt und dem ganzen irrsinn, der damit einherkommt, assoziiert, stets eine seltsame sache! ich jedenfalls bin immer wieder aufs neue fasziniert darüber, wie das hirn plötzlich ausklingt, wenn man diesem font in der „normalen welt“ begegnet… und dabei kommt er aus der normalen welt!

aber zurück zur geplatzten rubrik: in ihr sollten in regelmässiger unregelmässigkeit eben solche „banco-sichtungen“ gezeigt werden. wieso es nun doch nur eine olle zeichnung von ’nem alten typen gibt?! hier kommt die auflösung:

bei dem typen handelt es sich um keinen geringeren als den schöpfer des banco-fonts! sein name lautet roger excoffon. geboren in marseille, lebte er von 1910 bis 1983, und wirbelte in frankreich ab mitte des 20. jahrhunderts eine menge „staub“ auf, den plötzlich jeder in den augen hatte, aber von dem kaum einer wusste, woher er kam…

ein paar jahre nach dem zweiten weltkrieg fragte ihn sein schwager, ob er nicht lust hätte, seiner kleinen font-schmiede in marseille beizutreten, der „fonderie olive“. excoffon sagte zu, obwohl er a) bereits seit kriegsende eine kleine werbeagentur in paris am start hatte und b) so gut wie nichts vom zeichensatz-design verstand! learning-by-doing war das zauberwort der stunde, und die „fonderie olive“ haute innerhalb von nur sieben jahren eine berühmte schriftart nach der anderen raus, darunter die sehr bekannte „mistral“, die „choc“ die „calypso“, die „antique olive“… und eben auch die „banco“!

nebenbei war roger excoffon auch noch designer, gestaltete viele plakate für zig firmen wie zum beispiel der air france oder dunlop, war für die piktogramme der olympischen winterspiele 1968 in grenoble verantwortlich, entwarf eine briefmarke, und und und. kurz: zu einem gewissen zeitpunkt war frankreich übervoll mit seinen graphischen ergüssen und schriften, die sich teilweise bis in die heutige zeit hinein in der französischen, öffentlichen wahrnehmung gehalten haben!

nur: kaum ein franzose kannte bzw. kennt diesen mann, über dessen wirkungsvolles leben mittlerweile sogar ein paar bücher geschrieben wurden, und ich wage einfach mal zu behaupten, dass ihn auch kaum ein skater kennt, obwohl das logo eines der einflussreichsten magazine dieses planeten aus excoffons buchstaben besteht…

wieso ich hier mit all diesen infos komme und nicht einfach die geplante rubrik gefahren habe? tja, eigentlich sollten diese wenigen worte über roger excoffon die neue rubrik einleiten… nur leider gibt es schon eine internetseite einer französin, auf der sich alles um „banco sichtungen“ dreht! und scheisse, dorthin entlasse ich euch nun, denn die sammlung ist einfach zu gut!

http://ilovebanco.blogspot.de


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